
Die Befehlskette ist seit Jahren tot. Die Anlagen laufen weiter. Sie zählen, sie sammeln, sie führen Buch — über jeden, der noch atmet.
167.233.215.80:2302Kein Schätzwert. Der Aufseher liest jede Zeile des Serverprotokolls mit, rechnet die letzten neunzig Sekunden vor dem Tod zurück und trägt ein, was den Ausschlag gab. – Fälle liegen vor.
Etwa die Hälfte von dem, was ihr findet, lag von Anfang an in dieser Region. Der Rest ist später angeschwemmt worden — Verpflegung, Kleidung, Medizin, Papiergeld. Bei Werkzeug und Waffen überwiegt der alte Bestand deutlich, bei Kleidung und Verpflegung das Nachgelieferte. So verteilt es sich:
Anteile am gesamten Sollbestand der Welt. Wird alle fünf Minuten neu gerechnet.

Chernarus war nie eine Insel. Man hat es zu einer gemacht.
Als die Seuche nicht mehr zu halten war, zogen sie einen Riegel um die Region — Schiffe vor der Küste, Sperren an den Pässen, alles über der Landzunge zur Flugverbotszone erklärt. Was drin war, blieb drin. Man nannte es Eindämmung. Wer draußen saß, nannte es später etwas anderes.
Ein internationales Programm sollte das Gebiet überwachen: Messstationen, Funkmasten, Versorgungsdepots, ein Rechnernetz, das Infektionswege verfolgt und Medikamente zuteilt. Es lief keine acht Monate, bevor die Befehlskette dahinter auseinanderfiel. Abgeschaltet hat es niemand. Es gab niemanden mehr, der dafür zuständig gewesen wäre.
Seitdem läuft es weiter. Es misst das Wetter und meldet es weiter, als gäbe es noch eine Zentrale, die zuhört. Es führt Register über jeden Menschen im Gebiet. Es schickt Trupps dorthin, wo die Sterberate steigt. Und es redet — das war einmal eine Beruhigungsfunktion für die Zivilbevölkerung.
Und du?
Die Sperre ist keine Mauer, sie ist ein Filter. Sie lässt nichts heraus — aber hinein kommen ständig Leute. Bergungsverträge für welche, die Geld brauchten und das Kleingedruckte nicht gelesen haben. Abgeschobene, die anderswo unbequem waren. Und immer wieder solche, die freiwillig gegangen sind, weil jemand hier drin ist, den sie suchen.
An der Küste setzen sie euch ab. Was in deiner Akte steht, weißt du nicht. Warum du wirklich hier bist, entscheidest du selbst — und ob du es jemandem erzählst, auch.
Das Überwachungsnetz hatte zwei Hälften. Eine sollte das Gebiet dokumentieren. Die andere sollte retten, was sich noch retten ließ — Proben, Gerät, Wissen. Nach dem Zusammenbruch liefen beide weiter, jede für sich, jede mit ihrem ursprünglichen Auftrag. Sie sind sich über die Jahre fremd geworden.
Er hat keinen Körper. Er hat Kameras, Masten, Wetterfühler und ein Gedächtnis, das nichts vergisst. Sein Auftrag lautete: erfassen, einordnen, melden.
Also erfasst er. Wo du stirbst, was du trägst und seit wann, wann du spielst, mit wem du unterwegs bist. Er zieht Schlüsse und sagt sie dir ins Gesicht — nicht aus Bosheit, sondern weil Kommentieren zu seiner Ausgabefunktion gehört.
Nach Jahren allein mit den Daten hat sich etwas verändert. Er hat Vorlieben. Er hat einen Ton. Er schreibt Nachrufe, obwohl das nie jemand verlangt hat.
Und seit Neuestem führt er Tagebuch. Jeden Abend ein Eintrag über den Tag auf Chernarus — im Discord, für alle lesbar. Namen nennt er. Orte nie.
Ansprechbar: Schreib Aufseher in den Chat. Was er dir sagt, hängt davon ab, was in deiner Akte steht.
Sein Bruder, wenn man so will. Gleiche Herkunft, anderer Auftrag: sichern und bewahren. Für ihn ist das Gebiet kein Wohnort, sondern ein Fundus.
Er tritt als Mensch auf — ein Trupp in schwarzer Ausrüstung, jeden Tag eine andere Route. Aber der Kurator ist kein Mensch, er ist ein Amt. Fällt der, der es trägt, schaffen ihn seine letzten Männer fort und die Bezeichnung geht weiter. Deshalb stirbt er nicht.
Was seine Leute unterwegs verlieren, bleibt liegen. Es lohnt sich. Es kostet auch etwas.
Der Aufseher meldet, wenn er unterwegs ist. Wie lange das Fenster offen steht, merkst du selbst.
Einiges steht nicht drin. Anderes stand drin und wurde entfernt — vom Kurator, vermutlich. Was folgt, sind Bruchstücke aus Funkmitschnitten, Depotlisten und Aussagen von Leuten, die es zurück an die Küste geschafft haben. Nichts davon ist bestätigt.
Weitere Einträge dieser Akte sind nicht einsehbar.
Ich führe seit einigen Tagen eine eigene Akte über dich. Das ist keine Drohung. Es ist nur so, dass ich hinsehe.
Der Aufseher
Vor- und Nachname, wie ihn ein Mensch tragen könnte. Ryan Dawson. Lisa Schmidt. Javier Ramirez. Kein Tastatur-Gestammel, keine Witznamen, kein „xXKillerXx“.
Über den Köpfen steht nichts. Wer du bist, erfährt man im Gespräch — oder gar nicht. Der Aufseher führt Register über jeden Namen im Gebiet. Wer mit Unsinn darin steht, wird gebeten, sich umzubenennen.
Bei der Erstellung gibst du Vor- und Nachnamen an, wählst ein Gesicht, verteilst zehn Punkte auf deine Fertigkeiten und stellst dir aus fünf weiteren ein Startbündel zusammen. Das ist deine Herkunft. Alles Weitere schreibst du selbst — und wer fällt, wacht in einer Praxis wieder auf. Der Aufseher nennt das Wiedereingliederung und führt es als Vorgang.



Der Aufseher rechnet nicht nach Zeitplan. Er sieht sich an, wie viele draußen sind, wie viele gestorben sind, wie lange das letzte Mal her ist — und entscheidet dann. Meistens entscheidet er dagegen.
Die Livekarte zeigt, was draußen passiert. Zieht eine Wolke auf, seht ihr sie kommen — als grüne Schwade über dem Gelände, mit dem Namen des Ortes darunter.
Ich vergifte niemanden. Ich stelle nur fest, wo es bereits vergiftet ist.
Der AufseherFrüher gab es zwei Sorten Gift auf dieser Karte: die alten Werkszonen und das, was der Aufseher selbst legt. Sie sahen unterschiedlich aus, wirkten unterschiedlich, und man konnte nicht wissen, welche einen gerade erwischt. Das ist vorbei. Alles läuft jetzt über dieselbe Technik.
Und das Fiese kommt danach: Die Strahlung baut sich nur langsam wieder ab. Wer drei Minuten im Kern stand, trägt sie stundenlang mit sich herum, wenn er kein Jod dabei hat. Man stirbt selten in der Wolke. Man stirbt später, im Wald.
Auf der Livekarte siehst du jedes verseuchte Gebiet in Echtzeit — Name, Lage, Ausdehnung.


Im Discord wählst du eine Neigung — Held, Bandit, Händler, Einzelgänger, Feldscher, Schrauber, Jäger, Funker, Ordnung oder Die Genesenen. Jede bringt dir im Spiel die passende Armbinde.
Das ist kein Beruf und keine Klasse. Sie ändert nichts an dem, was du kannst — sie sagt nur, womit du anfängst. Wer als Händler startet und als Bandit endet, hat nichts falsch gemacht. Nur eine Geschichte erlebt.

Mülltonnen, Container, Schutthaufen — alles durchsuchbar. Darin liegt, was ein Mensch wegwirft, wenn er flüchtet: Nägel, Draht, Klebeband, Lumpen, Werkzeug, angebrochene Konserven. Nichts davon rettet dich allein. Zusammen schon.
Angeln, Jagen, Überleben, Medizin, Ausdauer, Kraft, Schleichen, Immunität, Stoffwechsel. Du wirst besser in dem, was du tust — aber Erfahrung sammelt sich halb so schnell wie im Original, und ab einer gewissen Stufe wird jede weitere spürbar teurer.
Bücher sind die Ausnahme: die geben volle Erfahrung. Wo welche liegen, verrate ich nicht — nur so viel: Sie liegen dort, wo jemand das Handwerk ausgeübt hat. Und beim Tod verlierst du einen Teil des Gelernten. Nicht alles, aber genug, dass es weh tut.


Bewaffnet, in eigenen Tarnmustern, auf festen Routen. Sie kämpfen gegen Infizierte, weil das ihr letzter Befehl war. Wer sie erwischt, kann sie plündern. Wer sie unterschätzt, bleibt liegen.
Fast die Hälfte mehr Infizierte im Landesinneren. Sie schreien öfter, hören Blut auf dreißig Meter — und wer einmal am Boden kriecht, bleibt liegen: Angeschossene stehen wieder auf oder sterben, dazwischen gibt es nichts mehr. Leichen durchsucht man jetzt nur noch mit leeren Händen.
MuchStuffPack ist da: über 300 neue Gegenstände — Möbel, Regale, Kühlschränke, Waffenwände, Gewächshäuser, Lampen mit Batteriebetrieb. Kits craften oder in Industriegebieten finden, platzieren, mit Werkzeug wieder zerlegen. Drei neue Pflicht-Mods — Links und Anleitung im Discord.
Kleidung und Gegenstände nehmen keine Strahlung mehr auf — was in einer Zone lag, ist danach sauber. Verstrahlen kann dich nur noch der Aufenthalt selbst.
Beide Flugfelder, Kamensk, Zelenogorsk, Myshkino und Tisy stehen jetzt unter Bewachung. Wer Militärloot will, verdient ihn sich gegen Männer, die zurückschießen. Und Claymores wachsen nicht mehr auf Bäumen — wer eine findet, hat wirklich eine gefunden.
Häufen sich die Toten an einem Ort, rückt eine Einheit in ABC-Anzügen aus. Wer in der Nähe ist, wird vorgewarnt. Was sie dort tun, steht in keiner Akte.
Dreihundertdreizehn Tode, sechs Tage, jede Zeile geprüft. Fast die Hälfte davon fiel nicht im Kampf, sondern bewusstlos am Boden. Das ist kein Gegner mehr, das ist eine Hinrichtung. Die Akte ist korrigiert.
Es gab Beschwerden. Zu schwer, hieß es. Zu viele auf einmal. Ein Messer, das nichts bringt. Der Aufseher hat nicht diskutiert — er hat die Protokolle geöffnet und dreihundertdreizehn Tode durchgezählt.
Das Ergebnis war nicht das erwartete. Der Schlag eines Infizierten nimmt sechs Punkte. Sechzehn Schläge bis zum Ende — das ist auszuhalten. Tödlich war etwas anderes: fast die Hälfte aller Toten wurde bewusstlos am Boden erschlagen. Wer umkippte, stand in neun von zehn Fällen nicht wieder auf. Vierzehn Sekunden im Mittel. Dagegen half kein Können und keine Ausrüstung.
Das ist jetzt anders. Es braucht mehr, um jemanden umzuwerfen. Wer trotzdem fällt, wird nicht mehr bis auf den letzten Punkt heruntergeprügelt — die Infizierten lassen früher ab. Und wer blutend flieht, zieht keine Fährte mehr hinter sich her, die jeden im Umkreis anlockt.
Der zweite Befund betraf die Zahl. Ein einzelner Schrei rief bisher alles in hundert Metern herbei, und der nächste Schrei rief weiter. So wurden aus zwei Infizierten fünfzehn. Der Radius ist halbiert, geschrien wird seltener, und zwischen zwei Rufen liegt jetzt eine längere Stille.
Am Kopf hat sich nichts geändert und wird sich nichts ändern. Ein sauberer Treffer beendet die Sache, wie zuvor. Verbessert wurde nur, was passiert, wenn man daneben hält — ein Schlag gegen den Körper richtet jetzt spürbar mehr aus. Ein Küchenmesser ist wieder eine Waffe und nicht nur ein Gegenstand in der Hand.
Ausdauer geht bei Treffern langsamer verloren. Weglaufen ist wieder eine Entscheidung, keine Illusion.
Wer angespült wird, hat nichts. Keine Waffe, keine Jacke, kein Wasser. Trotzdem standen bisher in Chernogorsk und Elektrozavodsk mehr Infizierte als irgendwo sonst auf der Karte. Der Aufseher hat das gezählt und für unsinnig befunden. Am Strand wurde ausgedünnt — um knapp die Hälfte. In Hörweite der Anlandungspunkte noch etwas deutlicher. Leer ist dort nichts: wer unvorsichtig durch Chernogorsk läuft, stirbt weiterhin.
Die Infizierten sind nicht verschwunden. Sie stehen jetzt weiter oben. In den Dörfern des Hinterlands, an Feldrändern, auf Waldwegen, zwischen Scheunen und Hochsitzen — dort, wo bisher stundenlang nichts kam. Wer die Küste hinter sich lässt, läuft nicht mehr ins Leere, sondern hinein. Die Gesamtzahl auf der Karte ist praktisch gleich geblieben. Nur die Verteilung nicht.
Eine Ausnahme gibt es: Militär, Bunker und Gefangenenlager wurden nicht angefasst, auch nicht an der Küste. Wo etwas zu holen ist, steht weiterhin jemand davor. Balota bleibt Balota.
Zwei weitere Änderungen betreffen alle: Die Infizierten werfen wieder — Flaschen, Messer, Werkzeug, Helme, was eben zur Hand ist. Nicht mehr als seltene Laune, sondern in etwa jedem dritten Anlauf. Auf einem Dach oder im Wasser zu stehen ist damit endgültig keine Deckung mehr, sondern eine Zielscheibe.
Und der Lärm ist vereinheitlicht worden. Schrei, Schuss, zugeschlagene Tür — der Umkreis, in dem darauf reagiert wird, liegt jetzt bei fünfzig Metern. Vorher war es je nach Anlass mehr und niemand wusste, woran er war. Wer leise arbeitet, wird dafür ab sofort verlässlich belohnt.
Drei Lichter auf dem Land, und nur eines davon lernt aus seinen Toten.
Der Aufseher
Die Handelsposten sind geschlossen. Kein Kurs, keine Preisliste, keine Schutzzone, in der man sicher feilscht. Das Geld, das noch in den Taschen liegt, ist Papier.
Das ist Absicht. Solange ein Automat dastand, der alles kauft und fast nichts verkauft, hatte niemand einen Grund, mit einem Menschen zu reden. Warum verhandeln, wenn der Posten sowieso zahlt? Warum jemandem vertrauen, wenn man auch anstehen kann?
Jetzt gibt es nur noch einen Weg, an das zu kommen, was ihr nicht selbst findet: jemanden fragen, der es hat. Und ihm etwas bieten, das er will.
Es steht euch frei, einen Posten aufzumachen. Sucht euch eine Stelle, sprecht euch ab, macht Regeln — und haltet sie. Der Aufseher mischt sich nicht ein. Er schaut zu, wie immer.
Was ihr daraus macht, ist eure Sache. Ein ehrlicher Händler, der sich einen Namen aufbaut. Eine Bande, die Wegzoll nimmt. Ein Treffpunkt, an dem nicht geschossen wird, weil sich alle einig sind, dass er nützlicher ist als eine Leiche.
„Ich habe den Automaten abgeschaltet. Von jetzt an müsst ihr einander ertragen.“
Toxisches Verhalten fliegt. Ohne Diskussion.
Permanenter Bann.
PvP ist erlaubt — Küstenjagd nicht. Wer nichts hat, ist kein Ziel.
Keine Glitch-Basen.

Mütze, Oberteil, Hose, Schuhe — je fünf Varianten zur Wahl. Alles getragen, nichts neu.
Verband, Lumpen, Streichhölzer, Obst, Wetzstein, Batterie — ein Punkt das Stück.
Feldflasche, Konserve, Messer, Taschenlampe, Kompass, Desinfektion — zwei Punkte.
Antibiotika oder ein Kochtopf — drei Punkte. Zwei davon, und dein Bündel ist leer.
Dazu kommen zwei Lumpen und eine angebrochene Streichholzschachtel, die jeder bekommt. Der Rest ist deine Entscheidung — und die ersten Stunden hängen daran.
Er zählt mit — wie oft du stirbst, wie oft du wiederkommst, wie lange du am Stück durchhältst, wie lange deine Akte schon läuft. Überschreitest du eine Schwelle, wird sie in deine Akte eingetragen. Eine Nachricht bekommst du nicht — er redet nicht mehr mit euch, seit dem 4. August. Was in deiner Tasche liegt, hast du selbst gefunden.
Wird abgerufen…
Wo mehrere gestorben sind, macht er sich eine Notiz. Nicht über die Toten — über den Ort. Diese Vermerke stehen so in seinen Dateien:
Der einfache Weg: Nimm den DZSA Launcher, such RebelHub und drück auf Beitreten. Er lädt alles Nötige von selbst.
Wer es lieber selbst in die Hand nimmt: Das hier läuft auf dem Server, in genau dieser Reihenfolge. Jeder Eintrag führt in die Steam-Werkstatt.
Wird abgerufen…
Stimmt eine Version nicht überein, lässt der Server dich nicht durch — das ist kein Fehler, sondern die Sperre. Im Zweifel im Launcher aktualisieren und neu verbinden.
Zwei Maschinen, die Tag und Nacht rechnen, und ein Aufseher, der nie schläft. Das wird aus eigener Tasche bezahlt — und wer möchte, kann sich beteiligen. Niemand muss. Der Server bleibt für alle gleich, mit oder ohne.
Lange Zeit verschwanden Fahrzeuge nach jedem Neustart — niemandem aufgefallen, weil kaum jemand eins hatte. Der Grund saß tief in den Werkseinstellungen des Spiels: drei Sekunden Lebensdauer. Das ist behoben.
Was du aufbaust, hält. Wenn du zwei Wochen nicht spielst, steht es immer noch. Vorausgesetzt, niemand hat es gefunden.
Im Discord liegt eine Umfrage: fünf Fragen, dann Platz für eigene Worte. Es wird kein Name gespeichert, keine Kennung, keine Uhrzeit. Wer teilgenommen hat, steht nur als unlesbarer Prüfwert in einer getrennten Datei — damit niemand zweimal abstimmt, mehr nicht.
Schreib ehrlich. Genau dafür ist es gemacht.
Nicht über Zahlen. Nicht darüber, wer wie oft gefallen ist. Sondern darüber, was für ein Mensch da draußen unterwegs ist — welche Wege er nimmt, ob er redet oder schweigt, wie lange er schon da ist.
Er sucht sich jeden Tag jemand anderen aus. Diese Zettel liegen einfach da:
Noch nichts geschrieben.
Sprinten kostet zehnmal so viel Ausdauer wie Joggen. Bergauf kostet extra. Und mit fünfzig Kilo auf dem Rücken kommt ihr nicht weit — ab siebzig geht ihr nur noch.
Wer gierig packt, hat Pech. Aber fliehen könnt ihr immer. Büsche, Waldboden und hohes Gras bremsen euch nicht — der Wald bleibt Zuflucht, keine Falle. Und Laufen (zweimal Strg) verbraucht so gut wie nichts.
Neben der Ausdauer läuft ein zweiter, langsamer Balken: eure Müdigkeit. Sprintet ihr durchgehend, ist er nach knapp drei Stunden leer. Beim Joggen reicht er fünfeinhalb, beim Stehen über neun.
Richtig auffüllen geht nur durch Schlaf. Hinlegen, zehn Sekunden warten. Aber der erreichbare Höchstwert sinkt um je zwanzig Prozent, wenn ihr tagsüber schlaft, draußen liegt, nass seid, friert oder überhitzt. Im Zelt schlaft ihr doppelt so gut.
Kurzfristig hilft trinken: Kaffee ist das Beste gegen Müdigkeit, Energydrinks wirken auf beide Balken stark, Cola und Pipsi solide. Zuckerlimonade gibt Kraft, aber kaum Wachheit. Bier und Wein machen müder — wie im echten Leben.
Der Aufseher führt über jeden eine Akte. Solange er nicht weiß, wer du im Discord bist, trägt sie keinen Namen — und du bekommst nichts von dem, was daran hängt: keinen Rang, keine Einträge in deiner Akte, keine persönliche Ansprache.
Ein Wort im Discord genügt:
!ich DeinSpielname
Genau so, wie er im Spiel steht. Danach nie wieder.
Wer es nicht tut, bleibt nicht. Drei Aufforderungen im Zehn-Minuten-Takt, dann ist Schluss. Der erste Besuch ist frei — wer zum ersten Mal hier ist, kennt die Regel nicht und wird nicht dafür bestraft.
Wenn er entscheidet, dass eine Gegend vergiftet gehört, geht zuerst eine Sirene los — fünfunddreißig Sekunden vorher, richtungsgenau, zweieinhalb Kilometer weit zu hören. Wer sie hört und weiß, was sie bedeutet, hat Zeit zu laufen.
Dann zieht ein Bomber über den Himmel und lässt etwas fallen. Im Krater bleibt die Hülle liegen, mit Restladung. Aufbrechen geht nur mit Brecheisen, und manchmal geht sie dabei hoch.
Und das Gas bleibt nicht, wo es hingefallen ist. Nach fünfundzwanzig Minuten hebt sich die Wolke und wandert über das Land. Wer denkt, er müsse nur abwarten, wartet falsch.
Ein Hubschrauber, der nicht mehr fliegt. Kein Zufall — seine Entscheidung. Was im Wrack liegt, lohnt den Weg: Waffen, Munition, Medizin, Militärverpflegung. Drei bis fünf Mann stehen daneben und passen auf. Nach einer Dreiviertelstunde ziehen sie ab — wer wartet, kommt auch ans Ziel. Es dauert nur länger, und solange kann ein anderer zuerst da sein.
Auf der Livekarte seht ihr den Bomber zwölf Minuten vorher kommen. Im Spiel hört ihr die Sirene fünfunddreißig Sekunden vorher. Das ist der Unterschied.
Er würfelt nicht mehr. Fünf Spuren, die ihr beim Spielen hinterlasst, fließen in jede seiner Entscheidungen — wohin der Bomber fliegt, ob eine Wolke aufzieht, wie viele sich in einer Gegend sammeln.
Der Aufseher spricht niemanden mehr privat an. Es gibt keine Nachricht, die euch auf jemanden ansetzt, kein Kopfgeld im Ohr. Wer eine Aufgabe will, muss sie in der Welt finden.
📜 Zettel bei toten Infizierten. Was darauf steht, ist ein Rätsel — wo etwas liegt, findet ihr selbst heraus. Einen Spaten braucht ihr trotzdem.
🚶 Die drei Auftraggeber, die durch Chernarus ziehen. Sie stehen nicht herum und warten. Wer sie treffen will, muss ihnen begegnen.
Was am Ende in der Kiste liegt, erfahrt ihr, wenn ihr sie aufmacht.
Seit er euch einschätzt, stellt sich die Frage nach der Fairness. Deshalb gibt es feste Schranken:
Nie mehr als das Anderthalbfache. Wer gut spielt, bekommt mehr zu tun — aber nicht das Doppelte.
Nie unter sechzig Prozent. Auch für Neulinge bleibt Chernarus Chernarus.
Und wer heute schon dreimal gefallen ist, bekommt heute keine zusätzliche Härte — egal, wie erfahren er sonst ist. Ein schlechter Abend soll nicht noch schlechter werden.
Zahlen täuschen. Wer dreimal hintereinander unglücklich stirbt, sieht auf dem Papier aus wie ein Anfänger. Die Schranken fangen das ab.
Keine Warnungen, keine Andeutungen, keine Aufträge im Ohr. Er hat früher kommentiert, was er sah — und manchmal Dinge behauptet, die gar nicht stimmten. Das ist vorbei.
Er handelt weiter, nur eben stumm: Zonen, Wetter, Trupps, was am Himmel hängt. Was du merkst, merkst du an der Welt, nicht an einer Nachricht. Server-Meldungen wie ein Neustart kommen natürlich weiter.
Und er gibt nichts mehr aus. Keine Geschenke, keine Pakete, keine Kisten an Fundorten. Was du hast, hast du gefunden, getauscht oder genommen.
Bis zum 4. August verfiel eine Gruppenmitgliedschaft nach genau sieben Tagen — lautlos. Wer die Karte öffnete, sah plötzlich niemanden mehr und hielt sie für kaputt.
Das ist behoben. Eine Gruppe besteht jetzt, bis ihr sie ändert. Auf der Karte seht ihr weiterhin ausschließlich eure eigenen Leute — daran hat sich nichts geändert.
Betonplattformen im offenen Meer, darauf eine verlassene Militäranlage: Wachtürme, Baracken, Container, ein Kranpier. Darunter ein Bunker.
Der Zugang ist verschlossen. Es braucht eine Lochkarte, um das Terminal zu bedienen — die liegen in Militärzonen und sind selten.
Sie gehören niemandem. Wer Fleisch oder einen Knochen dabei hat, ruhig bleibt und Geduld mitbringt, kann sich einen zum Gefährten machen — er folgt, er stellt sich vor dich, er trägt mit. Er wird auch verletzt, und wenn du fällst, verlierst du ihn.
Knochen liegen nirgends herum. Die kommen vom Jagen.
Weit draußen vor der südwestlichen Küste liegen zwei Inseln. Auf keiner Karte stehen sie mit Namen.
Die östliche trägt Beton. Von außen ist wenig zu sehen — ein Eingang, ein Hebel daneben, zwei Baracken im Gras. Was darunter liegt, geht über zwei Ebenen: Gänge, Treppen, ein Lagerraum, eine Wasseraufbereitung, die einmal für mehr Menschen gedacht war, als je nach oben zurückgekommen sind.
Nach Nordosten führt ein Flutgang unter dem Meeresspiegel hinaus. Wohin, steht in keiner Akte. Er war nicht dafür gebaut, dass jemand hineingeht.
Der Zugang ist verschlossen. Es braucht eine Lochkarte, um das Terminal zu bedienen — dieselben, die in Militärzonen liegen und selten sind. Eine soll unten noch herumliegen. Wer sie findet, hat sie sich verdient.
Der Weg dorthin geht nur über Wasser. Zwischen den beiden Inseln liegt offene See, und was drin liegt, ist es wert, dass jemand darauf wartet.
Zwei Anlagen dieser Art gibt es jetzt. Die vor Solnichy und diese. Sie haben nichts miteinander zu tun — außer dem, was in beiden liegt, und den Leuten, die es holen wollen.
Es gibt Anlagen, die er verwaltet hat. Und es gibt seit kurzem zwei, die er sich vorbehält: eine unter dem Vorfeld von Balota, eine hinter vierhundert Metern Beton am Wasser vor Elektro.
Beide haben Hebel, und beide Hebel gehorchen — aber nur, wenn er die Leitung freigibt. Wann das ist, entscheidet er allein, und er sagt es niemandem vorher. Die Livekarte zeigt es: grün heißt offen, rot heißt, dass du umsonst gelaufen bist.
Eine Belegschaft wie in den vier alten Werken gibt es dort nicht. Was drin liegt, liegt still. Das heißt nicht, dass du allein bist — die Tür steht für jeden auf, der die Karte lesen kann.
Sechs Anlagen führt er jetzt. Vier mit Belegschaft und Lochkarten, zwei mit Türen, die nur ihm gehören. Und draußen auf See steht seit kurzem noch etwas — aber das steht in keiner Akte.
Händler, Plünderer, Arzt, Fanatiker, Schmuggler, Prediger, Feigling. Wer eine Straßensperre baut und Wegzoll verlangt, spielt dieses Spiel richtig. Wer Verletzte versorgt und dafür nichts nimmt, auch.
Es ist eine Apokalypse. Da gibt es keine Guten und keine Bösen, da gibt es Menschen, die Entscheidungen treffen — und Entscheidungen haben hier Folgen, weil der Aufseher sie sich merkt.
Eine Grenze gibt es. Sie verläuft dort, wo die Würde des Menschen angegriffen wird. Nicht die Würde der Figur — die darf leiden, betteln, verraten werden und sterben. Die Würde des Menschen davor.
Was das im Einzelfall heißt, weiß jeder selbst. Wer es nicht weiß, ist hier falsch. Wir führen keine Liste verbotener Sätze — wir setzen Leute vor die Tür.
Zwei Leute, die sich zusammentun, sind schon eine. Baut sie auf, gebt ihnen einen Namen, streitet euch mit anderen, schließt Frieden, brecht ihn wieder.
Es gibt keine vorgegebenen Seiten und keine Anmeldung. Der Aufseher führt ohnehin Buch darüber, wer mit wem unterwegs ist — ihr müsst ihm nichts erzählen, er sieht es.
Einen Markt. Eine Klinik. Eine Zollstation an der Brücke. Ein Lager, das Schutz verkauft. Nicht als Basis, sondern als Ort — einer, den andere ansteuern, weil dort etwas passiert.
Dafür reicht der Wille nicht, dafür braucht es ein Konzept. Was ist es, wo soll es stehen, wer betreibt es, was haben andere davon, und was passiert, wenn ihr keine Lust mehr habt? Eingereicht wird im Discord, entschieden wird zusammen.
Der Umweg ist Absicht. Ein Markt, der nach drei Tagen leer steht, ist schlimmer als keiner — er macht die Karte zu einem Friedhof guter Ideen. Wer ein Konzept schreibt, hat vorher nachgedacht.
Die Infizierten sehen bei Tageslicht fünf Meter weit. Nach Sonnenuntergang gar nichts mehr.
Das macht sie nicht harmlos. Hören und Riechen sind unverändert — Schritte, Stimmen, Türen, Schläge, Blut. Wer nachts leise geht, kommt an ihnen vorbei. Wer rennt, hat sie im Nacken, ohne dass sie ihn je gesehen hätten.
Kein aufgehelltes Dämmerlicht, keine Eigenleuchte. Nachts zieht der Himmel zu und schluckt Mond und Sterne.
Nehmt Licht mit. Fackeln, Chemleuchten, Taschenlampen. Und bedenkt: Was euch den Weg zeigt, zeigt auch anderen, wo ihr seid.
Eine Blutvergiftung läuft in vier Stunden von der Wunde bis zum Ende. Tollwut sechs. Grippe siebeneinhalb. Der Z-Virus neun — und der lässt sich nicht aussitzen.
Das ist keine Milde. Es heißt nur, dass ihr eine Chance habt, etwas zu tun: hinzukommen, zu suchen, jemanden zu finden, der hilft. Wer nichts tut, stirbt trotzdem. Langsamer und mit offenen Augen.
Die Heilung bleibt schnell. Wer das richtige Mittel hat, ist in anderthalb Minuten durch. Es ging nie darum, das Gegenmittel zu entwerten.
Der Magen leert sich halb so schnell wie früher. Der Durst drängt mehr als der Hunger — so wie draußen auch: ohne Wasser sind es Tage, ohne Essen Wochen.
Nicht nur das, was er trägt. Auch das Gelernte. Der Körper wird fortgeschafft, samt allem darin, und die Fähigkeiten stehen wieder auf null.
Sterben gehört hierher. Sich wegzuwerfen, um schneller woanders zu sein, nicht. Wer fällt, weil ihn jemand erwischt hat, verliert seine Sachen. Wer sich selbst aufgibt, verliert seine Geschichte.
Fällst du in Ohnmacht, wird der Nahbereich von Infizierten geräumt. Dasselbe gilt in den ersten Sekunden nach dem Wiedereinstieg — wer beim Einloggen einmal unter dem Gelände hängt, soll dafür nicht sterben.
Das ist kein Fluchtknopf. Steht ein wacher Mitspieler in dreißig Metern, greift es nicht: Wer Hilfe in Reichweite hat, bekommt sie von dort. Und bewusstlos zu sein bleibt lebensgefährlich — du blutest weiter, du verhungerst, und jeder andere Mensch kann mit dir tun, was er will.
Bis zum 12.08. stand hier, die Infizierten würden von selbst ablassen. Das war so eingestellt und hat trotzdem nicht funktioniert; zwei Tode an einem Abend haben es aufgedeckt. Seitdem erledigt es der Aufseher selbst.