Die Befehlskette ist seit Jahren tot. Die Anlagen laufen weiter. Sie zählen, sie sammeln, sie führen Buch — über jeden, der noch atmet.
Chernarus war nie eine Insel. Man hat es zu einer gemacht.
Als die Seuche nicht mehr zu halten war, zogen sie einen Riegel um die Region — Schiffe vor der Küste, Sperren an den Pässen, alles über der Landzunge zur Flugverbotszone erklärt. Was drin war, blieb drin. Man nannte es Eindämmung. Wer draußen saß, nannte es später etwas anderes.
Ein internationales Programm sollte das Gebiet überwachen: Messstationen, Funkmasten, Versorgungsdepots, ein Rechnernetz, das Infektionswege verfolgt und Medikamente zuteilt. Es lief keine acht Monate, bevor die Befehlskette dahinter auseinanderfiel. Abgeschaltet hat es niemand. Es gab niemanden mehr, der dafür zuständig gewesen wäre.
Seitdem läuft es weiter. Es misst das Wetter und meldet es weiter, als gäbe es noch eine Zentrale, die zuhört. Es führt Register über jeden Menschen im Gebiet. Es schickt Trupps dorthin, wo die Sterberate steigt. Und es redet — das war einmal eine Beruhigungsfunktion für die Zivilbevölkerung.
Und du?
Die Sperre ist keine Mauer, sie ist ein Filter. Sie lässt nichts heraus — aber hinein kommen ständig Leute. Bergungsverträge für welche, die Geld brauchten und das Kleingedruckte nicht gelesen haben. Abgeschobene, die anderswo unbequem waren. Und immer wieder solche, die freiwillig gegangen sind, weil jemand hier drin ist, den sie suchen.
An der Küste setzen sie euch ab. Was in deiner Akte steht, weißt du nicht. Warum du wirklich hier bist, entscheidest du selbst — und ob du es jemandem erzählst, auch.
Das Überwachungsnetz hatte zwei Hälften. Eine sollte das Gebiet dokumentieren. Die andere sollte retten, was sich noch retten ließ — Proben, Gerät, Wissen. Nach dem Zusammenbruch liefen beide weiter, jede für sich, jede mit ihrem ursprünglichen Auftrag. Sie sind sich über die Jahre fremd geworden.
Er hat keinen Körper. Er hat Kameras, Masten, Wetterfühler und ein Gedächtnis, das nichts vergisst. Sein Auftrag lautete: erfassen, einordnen, melden.
Also erfasst er. Wo du stirbst, was du trägst und seit wann, wann du spielst, mit wem du unterwegs bist. Er zieht Schlüsse und sagt sie dir ins Gesicht — nicht aus Bosheit, sondern weil Kommentieren zu seiner Ausgabefunktion gehört.
Nach Jahren allein mit den Daten hat sich etwas verändert. Er hat Vorlieben. Er hat einen Ton. Er schreibt Nachrufe, obwohl das nie jemand verlangt hat.
Ansprechbar: Schreib Aufseher in den Chat. Was er dir sagt, hängt davon ab, was in deiner Akte steht.
Sein Bruder, wenn man so will. Gleiche Herkunft, anderer Auftrag: sichern und bewahren. Für ihn ist das Gebiet kein Wohnort, sondern ein Fundus.
Er tritt als Mensch auf — ein Trupp in schwarzer Ausrüstung, jeden Tag eine andere Route. Aber der Kurator ist kein Mensch, er ist ein Amt. Fällt der, der es trägt, schaffen ihn seine letzten Männer fort und die Bezeichnung geht weiter. Deshalb stirbt er nicht.
Was seine Leute unterwegs verlieren, bleibt liegen. Es lohnt sich. Es kostet auch etwas.
Der Aufseher meldet, wenn er unterwegs ist. Wie lange das Fenster offen steht, merkst du selbst.
Einiges steht nicht drin. Anderes stand drin und wurde entfernt — vom Kurator, vermutlich. Was folgt, sind Bruchstücke aus Funkmitschnitten, Depotlisten und Aussagen von Leuten, die es zurück an die Küste geschafft haben. Nichts davon ist bestätigt.
Weitere Einträge dieser Akte sind nicht einsehbar.
Vor- und Nachname, wie ihn ein Mensch tragen könnte. Ryan Dawson. Lisa Schmidt. Javier Ramirez. Kein Tastatur-Gestammel, keine Witznamen, kein „xXKillerXx“.
Über den Köpfen steht nichts. Wer du bist, erfährt man im Gespräch — oder gar nicht. Der Aufseher führt Register über jeden Namen im Gebiet. Wer mit Unsinn darin steht, wird gebeten, sich umzubenennen.
Bei der Erstellung verteilst du zehn Punkte auf deine Fertigkeiten, wählst ein Gesicht und eines von vier Startsets. Das ist deine Herkunft. Alles Weitere schreibst du selbst — und wer fällt, wacht in einer Praxis wieder auf. Der Aufseher nennt das Wiedereingliederung und führt es als Vorgang.
Angeln, Jagen, Überleben, Medizin, Ausdauer, Kraft, Schleichen, Immunität, Stoffwechsel. Du wirst besser in dem, was du tust — aber Erfahrung sammelt sich halb so schnell wie im Original, und ab einer gewissen Stufe wird jede weitere spürbar teurer.
Bücher sind die Ausnahme: die geben volle Erfahrung. Wo welche liegen, verrate ich nicht — nur so viel: Sie liegen dort, wo jemand das Handwerk ausgeübt hat. Und beim Tod verlierst du einen Teil des Gelernten. Nicht alles, aber genug, dass es weh tut.
Läufer des Aufsehers. Sie stehen nicht herum — wer sie treffen will, muss ihnen begegnen. Sie haben Arbeit dabei: Lieferungen, Jagd, Kopfgeld. Und Ausgrabungen, für die du einen Spaten brauchst. Du bekommst die Gegend genannt, nicht den Punkt.
Bewaffnet, in eigenen Tarnmustern, auf festen Routen. Sie kämpfen gegen Infizierte, weil das ihr letzter Befehl war. Wer sie erwischt, kann sie plündern. Wer sie unterschätzt, bleibt liegen.
Häufen sich die Toten an einem Ort, rückt eine Einheit in ABC-Anzügen aus. Wer in der Nähe ist, wird vorgewarnt. Was sie dort tun, steht in keiner Akte.
Wo sie stehen, findest du selbst heraus — oder jemand sagt es dir. Innerhalb der Zone herrscht Waffenruhe, draußen gilt sie nicht. Die Preise stellt der Aufseher nach der Lage. Und manche Regale sind schlicht leer.
| Ware | Kaufen | Verkaufen |
|---|---|---|
| Verpflegung, Werkzeug, Baumaterial | ja | ja |
| Allgemeine Medizin | ja | ja |
| Schrot- und Pistolenmunition | ja | ja |
| Waffen jeder Art | nein | ja |
| Übrige Munition, Magazine, Sprengmittel | nein | ja |
| Militärausrüstung, Fachmedizin | nein | ja |
Toxisches Verhalten fliegt. Ohne Diskussion.
Permanenter Bann.
PvP ist erlaubt — Küstenjagd nicht. Wer nichts hat, ist kein Ziel.
Keine Glitch-Basen.
Für alle, die erst schauen wollen. Wenig dabei, dafür leise.
Verbandszeug statt Waffe. Wer heilen kann, wird gebraucht.
Werkzeug. Der Anfang von allem, was länger hält als eine Nacht.
Eine geladene Pistole und ein Reservemagazin. Genug für einen Infizierten. Nicht mehr.